Bildhinweis: Collage aus mit DALL-E generierten Bildmotiven; Zusammenstellung, Bearbeitung und finale Farbkorrektur durch den Autor in KRITA.
Transparenzhinweis:
Teile dieses Textes entstanden mithilfe von ChatGPT; Quellen habe ich geprüft. Die Aussagen schienen mir zutreffend gewesen zu sein.
Jetzt werde ich hier alles enthüllen1:
- Der Titel „Der verwunderte Zeitungsleser“ ist nicht von mir, sondern das war eine BBC-Rubrik im Londoner Rundfunk (German Service), entstanden für das „Ostzonenprogramm“. Autor und Stimme dahinter: der austro-jüdische Schriftsteller Robert Lucas (geb. Robert Ehrenzweig). Die Reihe kommentierte mit ironischem Ton die DDR-Presse und lief – je nach Phase – bis Anfang der 1970er Jahre.2.
- Alle Texte meiner Rubrik entstanden mit Hilfe von KI – so wie dieser!
Auslöser ist ein Tagesspiegel-Artikel von Philipp Blanke :
„Artikel nur noch mit KI: Bei Axel Springer ist die Künstliche Intelligenz nun überall“3 darin der bedeutungsschwere Satz:
„In der sogenannten ‚Premium-Gruppe‘ sollen nun offenbar auch alle journalistischen Inhalte mithilfe von KI erstellt werden.“
Was denken Leser der Zeitung bei diesem Satz? Ich weiß es nicht und bilde in Gedanken fünf Leser:innengruppen und frage ChatGPT: „Was könnten Menschen beim Lesen eines solchen Satzes denken, die von KI nicht viel mehr wissen, als dass sie bedrohlich ist und Arbeitsplätze vernichtet, was Buchautor.innen mit wenig Hintergrundwissen, was Journalistik-Insider mit KI-Vorkenntnissen, was Afd-Anhänger:innen, was eine Linke?“ Ich bekomme die Antwort: „Für KI-ferne, besorgte Leser:innen klingt der Satz wie ‚Roboter schreiben alles, Jobs weg, Qualität runter‘. Buchautor:innen mit wenig Technik-Know-how fürchten zusätzlich Konkurrenz durch massenhaft KI-Texte, Preisdruck, Stil-Verflachung und schlechtere Sichtbarkeit eigener Bücher. Journalist:innen mit KI-Vorkenntnissen lesen darin die bevorstehende Automatisierung von Routine, sie denken an Providerabhängigkeit, Qualitätsdrift, Haftung, Mitbestimmung und Stellenabbau v.a. in Produktion und beim Redigieren. Ein AfD-Anhänger liest darin nicht nur Big-Tech-Einfluss , sondern auch einen staatlichen Einfluss auf Mainstreammedien und Zensur, also politisch gefilterte Inhalte. Eine Linke sieht vor allem Rationalisierung, Prekarisierung und Plattformmacht, stellt Urheberrechts-/Datenfragen und erwartet Kennzeichnung, Weiterbildung sowie klare Tarif- und Betriebsvereinbarungen.“
Das scheint mir plausibel, ich hätte es nicht besser sagen können. Es kann aber natürlich auch anders sein.
Entscheidend in dem Satz ist das Wort „mithilfe“. Soll künftig alles von KI gemacht werden, was in den Springerzeitungen erscheint? Ich frage ChatGPT, wie das dann aussehen würde, und ich bekomme in 21 s einen langen Text mit einer genauen Beschreibung einer solchen Zukunft. Ich frage: „Geht das auch sehr pointiert in wenigen Sätzen?“ Darauf antwortet ChatGPT:
„Ein KI-Verlag sähe aus wie ein Rechenzentrum mit Regieraum: ein Wand-Dashboard, wenige Menschen, viele Pipelines4. Die KI crawlt Quellen, baut Themenkörbe, schreibt Entwürfe, erzeugt
Bilder, Clips und prüft maschinell Zitate und Lizenzen. Ein Chief Algorithm Editor verantwortet Modelle, Daten und Audits; Ressort-Kurator:innen setzen Relevanz und No-Go-Listen. Im Krisenmodus wird die Automatik gedrosselt, generative Medien aus; alles ist geloggt, gekennzeichnet, rückverfolgbar. Gewinn: Tempo und Skalierung—Verlustgefahr: Tonfall, Originärrecherche, Anbieterabhängigkeit.
Meine Meinung:
So meint es vielleicht auch Matthias Döpfner nicht, nicht Claudius Senst, der CEO der „Premium-Gruppe“. Wie denn dann? Ich bitte um eine kurze ChatGPT-Zusammenfassung der fünf Punkte von Sensts Email, sehe kurz die „Chain of Thought“ von ChatGPT aufblitzen:
Denke nach… Kontext sichten… Kernaussagen markieren… Verdichten… Plausibilitätscheck… Formulieren und lese dann die Antwort:
- ChatGPT statt Google als Standard für Recherche nutzen, für Ideenfindung und schnelle Antworten, Suchmaschinen nur, wenn ChatGPT nicht überzeugt;
- verbindlicher KI-Check für alle Texte, Papiere, Präsentationen und Angebote;
- Automatisierung aller Routineaufgaben;
- bei neuen Aufgaben und Prozessen zuerst einen KI-Prototyp erstellen, neue Stellen/Budgets gibt es nur, wenn die Automatisierung nichts Brauchbares liefert;
- Beruhigungsklausel: KI solle „keine Content-Wüsten“ erzeugen – „Es sind unsere Inhalte. Es ist unsere Arbeit.“.
Ich lese noch einmal den Tagesspiegelartikel und sehe, von ChatGPT alles richtig zusammengefasst.5
Ja, so arbeite ich auch an meinem Schreibtisch, wenn ich einen Blog schreibe mit dem Unterschied, dass es bei mir keine Stellen und Budgets gibt, außer mir keinen weiteren Schreiber und ich nur 30 Leser:innen habe statt der Millionen des Springerverlags. Warum sollen Journalist:innen nicht so arbeiten, wenn es dieses Hilfsmittel KI gibt? Das hat nichts mit Springer, nichts mit dem Ende des Journalismus zu tun, nichts mit Mainstreammeinungsbildung, denke ich.
Gut verstehen kann ich, dass Journalistenverbände, Gewerkschaften und Mitarbeiter:innen in Zeitungsredaktionen sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Richtig finde ich auch: „Die digitale Revolution erfordert eher mehr Investition in menschliche journalistische Expertise als weniger. Wir brauchen diese Fachkräfte, die einordnen, kritisch Quellen hinterfragen und erklären.“6 und füge hinzu, wenn Leser:innen sie denn bezahlen wollen. Völlig einverstanden bin ich mit der Aussage von Mika Beuster (DJV): „Künstliche Intelligenz kann ein wertvolles Werkzeug, auch für Redaktionen, sein, wenn es um die Entlastung von Routineaufgaben geht oder das Auswerten von großen Datensätzen“ und damit, dass es immer „gekennzeichnet sein muss, wenn journalistische Beiträge mithilfe von KI erzeugt wurden, sonst ist die Glaubwürdigkeit in Gefahr.“, wobei ich „mithilfe“ durch „substanziell mithilfe“ ersetzt hätte.
Zum Schluss habe ich ChatGPT gebeten, etwas zum Unterschied journalistischer Arbeit früher und heute zu schreiben, etwas ironisch, habe ich hinzugefügt:
Nach acht Sekunden kam von ChatGPT:
„Früher begann eine Recherche mit einem Knarzen der Trittleiter oben am Regal. Dort wartete der Brockhaus, Band „Bri–Car“, ein Ziegelstein mit Goldschnitt und dem Geruch nach Staub und Ewigkeit. Im Archiv raschelten Karteikarten wie Herbstlaub, und in der Redaktionssitzung zog man Argumente aus der Tasche und Zigaretten aus der Schachtel. Die Luft war so dicht, dass man Meinungsverschiedenheiten förmlich schneiden konnte. Nach drei Stunden „kontroverser Debatte“ stand fest: Wir fragen den Kollegen vom Feuilleton, der „da mal was hatte“.
Heute tippe ich einen Prompt, und die KI liefert Gliederung, fünf Gegenargumente, drei Quellen—und eine vierte, die es gar nicht gibt, aber sehr überzeugend klingt. Statt Brockhaus gibt es jetzt ein Fensterchen mit Ladebalken; statt Trittleiter habe ich „weiter scrollen“. Die Redaktionssitzung ist rauchfrei und effizient: „Klingt gut – wer aber übernimmt die menschliche Verantwortung?“, fragt jemand, und alle nicken so professionell, dass die Kaffeemaschine rot wird.
Früher suchte man die Quelle. Heute findet die Quelle mich – mit Untertitel, Vorspann und Zusammenfassung für Eilige. Früher rauchte die Redaktion, heute raucht die Grafikkarte. Und am Ende bleibt der gleiche alte Trick:
Man legt den Finger auf eine Behauptung und fragt leise: „Sicher?“ – nur dass inzwischen nicht mehr der Archivleiter antwortet, sondern ein höflicher Algorithmus, der behauptet, er habe den Brockhaus persönlich gekannt.“
- Für alle meine 20 bis 30 Leser:innen, die auf diese Website klicken. Sie haben Transparenz verdient und können nachverfolgen, wie ich mit der KI umgehe. ↩︎
- Das hat mir ChatGPT 5 Thinking in 51 Sekunden „Denkzeit“ geliefert, mit ca. dreißig Quellenangaben, die im WWW nachgelesen werden können.
Dazu bekam ich auf meine Aufforderung hin in weiteren 21 s einen 1000-Wort Artikel mit der Überschrift „Der verwunderte Zeitungsleser, eine Stimme aus London“, wieder mit nachprüfbaren Quellenangaben. Das Lesen aller Quellen benötigt Zeit, doch allein die Recherche hätte vor KI Stunden, wenn nicht Tage gedauert. ↩︎ - https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien-_-ki/artikel-nur-noch-mit-ki-bei-axel-springer-ist-die-kunstliche-intelligenz-nun-uberall-14254082.html ↩︎
- Pipelines sind fest verkettete Workflows – z. B. Eingang (Crawler sammelt Quellen) → Sortierung (Themen erkennen) → Entwurf (KI schreibt Rohtext/Teaser/Bildvariante) → Prüfung (Quellen-/Rechte-/Bias-Checks) → Ausspielung (Web/App/Newsletter). Davon laufen viele parallel: Politik-Ticker, Lokalnews, Sport, Börse, Wetter, jeweils mit eigener Pipeline. Die „wenigen Menschen“ sitzen an den Schaltstellen: Duty-Editor priorisiert und gibt frei, Standards-Editor checkt Ethik/Recht, ein Model-Steward überwacht Prompts/Fehler, Legal zieht die Notbremse. Beispiel: Spiel endet → Sport-Pipeline baut Meldung, Tabellen, Clip; Mensch prüft Überschrift und strittige Stellen, klickt „Publish“. Ergebnis: hohe Taktzahl durch Automatik, Qualitätssicherung durch gezielte menschliche Eingriffe. ↩︎
- https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien-_-ki/artikel-nur-noch-mit-ki-bei-axel-springer-ist-die-kunstliche-intelligenz-nun-uberall-14254082.html ↩︎
- Mika Beuster, Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) ↩︎
