Was lernt man in Ohio in Geschichte?

Bildhinweis: Collage aus mit DALL-E generierten Bildmotiven; Zusammenstellung, Bearbeitung und finale Farbkorrektur durch den Autor in KRITA.

Die Frage ist vielleicht zu allgemein. Also enger gefasst: Was lernte der US-Vizepräsident JD Vance über den Verlauf und das Ende des Zweiten Weltkriegs im Geschichtsunterricht? Antwort: Nichts! Vielleicht wurde das an seiner Hillbilly-Middletown-High-School gar nicht unterrichtet. Oder er hat nicht aufgepasst, als das Thema dran war, und sah lieber aus dem Fenster auf das Footballfeld?
Dort hielt ein Quarterback den Ball fest wie eine Schicksalskugel. Zwei Reihen Spieler prallten aufeinander, ein kurzer Schub, ein Pfiff – und alles begann von vorn. Für den Schüler am Fenster sah das geordnet, fast beruhigend aus: klare Regeln, ein Anfang, ein Ende, ein Handschlag. So, dachte er, müsse auch die Weltgeschichte funktionieren – ein Spielzug, Verhandlung, dann ein Sieger auf dem Rasen.

Dass die Lehrerin drinnen von bedingungslosen Kapitulationen sprach – der Nazis im Hauptquartier Eisenhowers und später der Japaner an Bord der USS Missouri in der Bucht von Tokio –, überhörte er. Er konnte jedoch nicht wissen, dass er eines Tages als Vizepräsident der USA Interviews zu Kriegen geben würde.

Hätte er Latein gehabt, man hätte ihm gewiss den alten Lehrerkalauer eingebläut: „Non scholae, sed vitae discimus.“ Nur stimmt der auch nicht. Seneca schrieb es genau umgekehrt: „Non vitae, sed scholae discimus.“ Ohne das zu wissen, fragte sich JD wahrscheinlich ohnehin: „Warum soll ich überhaupt für die Schule lernen?“

So setzte er sich gestern mit Kristen Welker bei NBC in ein Meet-the-Press-Interview1. Sie besprachen die Bemühungen zur Beendigung des Krieges, die Sicherheitsgarantien für die Ukraine und Frau Welker fragte:
Ich möchte gleich noch auf die Sicherheitsgarantien zu sprechen kommen, aber ganz schnell: Wenn Russland einen Teil des Territoriums behalten darf, den es illegal besetzt hat – welches Signal sendet das an China? Gibt das China grünes Licht, Taiwan anzugreifen? Gibt das Russland grünes Licht, andere europäische Länder zu überfallen, was ja genau die Sorge Ihrer europäischen Verbündeten ist?
JD Vance war sich sicher:
„Nun, zunächst einmal: Die Ukrainer werden letztlich selbst entscheiden, wo in ihrem Land die territorialen Linien gezogen werden. Aber Kristen, so werden Kriege am Ende nun einmal beigelegt. Wenn Sie auf den Zweiten Weltkrieg zurückblicken, wenn Sie auf den Ersten Weltkrieg zurückblicken, wenn Sie auf jeden größeren Konflikt in der Menschheitsgeschichte zurückblicken – sie alle endeten mit irgendeiner Form von Verhandlung.“
Frau Welker fand nichts Auffälliges bei der Antwort, doch in der Welt begann das Gelächter : The Daily Beast bezeichnete Vances Satz als „peinlichen Geschichtsfehler2. „JD Vance’s basic blunder sparks huge social media backlash“ war eine andere Überschrift3 und die Times of India höhnte: „Do they teach history in Ohio?“4

Ich hatte einen Lateinlehrer, der gern zitierte: „Si tacuisses, philosophus mansisses. “. Auch wenn Vance Lateinunterricht gehabt und kein Wort über das Ende des 2. Weltkriegs gesagt hätte, wäre er kein Philosoph geworden, sondern der ultrakonservative Absolvent der Yale Law School geblieben – einer, der hoffentlich bald wieder aus der Politik verschwindet.

1 NBC Meet the Press, 24.08.2025
2 https://www.thedailybeast.com/jd-vance-mocked-for-embarrassing-wwii-history-mistake/
3 JD Vance’s basic blunder sparks huge social media backlash
4 https://timesofindia.indiatimes.com/world/us/do-they-teach-history-in-ohio-jd-vance-mocked-over-wars-end-with-negotiation-remarks-netizens-remind-him-wwii-ended-with-unconditional-surrender/articleshow/123494894.cms