Baltikum 2014

KZ Klooga

Hier im KZ Klooga  – einem Außenlager des KZ Vaivara – wurden  am 19. September 1944 vor dem Abmarsch nach Westen noch 2000 Juden in den Wäldern um das Lager von deutschen SS-Leuten und Angehörigen der estnischen Wachmannschaft (Wachbataillon 287) erschossen. “Die letzten Massenerschießungen fanden bei Lagedi und in Klooga statt. Am 1 8. September wurden die Insassen von Lagedi mit Lastwagen angeblich «evakuiert», in Wahrheit aber auf einer Waldlichtung erschossen.46 Am folgenden Tag wurden die Angehörigen aller Arbeitskommandos, inklusive des Außenkommandos Laoküla, nach Klooga gebracht, das mit Hilfe von Angehörigen der 10. Waffen-SS Division unter dem Befehl des Kommandeurs der Ausbildungs- und Ersatzeinheiten, Georg Ahlemann abgcriegelt wurde. Ein zusätzliches Erschießungskommando, bestehend aus Angehörigen des Kommandos der Sicherheitspolizei Estland, kam aus Reval. Es ist nicht geklärt, wer an diesem Tag Befehl führte, da viele Angehörige der KZ-Vaivara Lagerverwaltung mittlerweile in Klooga eingetroffen waren. Lagerführer von Klooga zu dieser Zeit war Wilhelm Werle, der aber behauptete, dass der ranghöhere Verwaltungsführcr Otto Brenneis die Aktion befehligt habe. Die Häftlinge wurden in kleinen Gruppen aus dem Lager geführt und auf dafür errichteten Scheiterhaufen und in einem Nebengebäude erschossen. Die Leichenberge wurden später in Brand gesetzt. Nach und nach wurden die auf dem Appcllplatz befindlichen Häftlinge immer unruhiger, das Geräusch von Gewehrsalven löste dann Panik und Flucht aus. Etwas mehr als hundert Häftlingen gelang cs, sich bis zum Eintreffen der Roten Armee ein paar Tage später versteckt zu halten, einigen wenigen gelang die Flucht aus den Leichenbergen”*.

In den beiden Vormonaten waren wegen der vorrückenden Roten Armee viele Insassen nach Stutthof und nach Schlesien gebracht  worden. Zehn Tage später  konnten nur noch wenige von den ehemals 3000 Gefangenen durch die Rote Armee befreit werden.

Am 1. September 1994 wurde auf dem Gelände des ehemaligen KZ ein Denkmal eingeweiht, das auf  Initiative der
Gesellschaft für Jüdischen Kultur mit der Unterstützung der estnischen Regierung errichtet worden war. Der Estnische Ministerpräsident Andrus Ansip  entschuldigte sich im Mai 2005 in einer Rede auf dem Gelände des Lagers für das Mittun seiner Landsleute: I apologise for the fact that Estonian citizens could be found among those who participated in the murdering of people or assisted in the perpetration of these crimes.** . Er soll Ärger bekommen haben. Die Beteiligung von Esten am Holocaust bleibt im Lande weitgehend tabuisiert.

Nach dem Abendbrot im Hotelrestaurant sitzen wir noch im Zimmer zusammen und trinken den restlichen Wodka.