Baltikum 2014

Cesis


Eine kleine geschotterte Straße führt von Ligat aus an der Gauja (Aa) entlang nach Cesis. Wenden – Cesis – ist eine alte Stadt mit einer Burg, im 13. Jahrhundert  vom Schwertbrüderorden (Fratres miliciae Christi de Livonia,  Brüder der Ritterschaft Christi von Livland) gegründet, bis in das 16. Jahrhundert der Hauptsitz des Ordens. 1577 soll sich die Besatzung mit der Burg in die Luft gesprengt haben, um die Belagerung durch Truppen Ivans des Schrecklichen zu beenden. Einer Legende zufolge kamen die Farben der lettischen Fahne von hier: Ein lettischer König wurde im Kampf gegen fremde Eindringlinge verwundet. Als er auf die weiße Flagge der Kapitulation gelegt wurde und starb, färbte sein Blut die Fahne rechts und links seines Körpers mit tiefem Rot. Wo der Körper des Königs lag, blieb das Banner weiß und ist seit 1270 die rot-weiß-rote Fahne der Letten. Das  Rot ist eigenartig, es trägt die Bezeichnung Lettischrot.

Wir umrunden die Altstadt und besuchen die Johannes- Kirche, einen alten Bau mit  einem Turm aus dem 19. Jahrhundert, bereits 1284 als Kirche geweiht. Die dreischiffige Basilika – im Innenraum gotisch aufstrebende Pfeiler – ist eine der ältesten Sakralbauten in Lettland, lesen wir in dem Flyer, den uns eine lettische Kirchenbedienstete anbietet.Die Dame von der Kirche möchte uns überreden, den Turm zu besteigen – auf Englisch, das sie nicht kann, wir antworten auf Russisch, das wir eigentlich auch nicht sprechen. Leider ist die Verständigung mit älteren Einheimischen kaum möglich. Unser rudimentäres Russisch reicht nicht, auch bin ich aus politischer Rücksichtnahme gehemmt, ohne Weiteres diese Sprache zu benutzen.  Für Letten ist dieses die Okkupantensparche – ungeliebt wie ihre russischen Mitbürger insgesamt.