Warum ich keine Heimat habe, aber in Mecklenburg zu hause bin

Heimat ist dort, wo man sich nicht erklären muss.

Johann Gottfried Herder (1744-1803)

Heimat – ein Lieblingsbegriff der Neuen Rechten – sollte nicht denen allein überlassen werden, meinten wir im Café International1.

Während mehrerer Nachmittage sprachen wir im Kreise von Menschen verschiedener Herkunft über dieses Thema, auch darüber, warum Menschen andere Menschen in Zugehörige und Fremde einteilen, wer wo eine Heimat hat und haben darf und was Heimat und Identität bedeuten.

Wie nicht anders zu erwarten, hatten die Beteiligten sehr verschiedene Auffassungen zum Heimatbegriff. Alle aber verbanden Heimat mit Orten und Räumen, die mit emotionalen, sozialen und politischen Erfahrungen von Vertrautheit, Zugehörigkeit, Wieder- und Anerkennung verknüpft sind.

Ich fragte mich, wo und wann ich mich zu meiner Lebensumgebung zugehörig und dort vertraut gefühlt hatte, mit welchen sozialen und politischen Gegebenheiten, iin meinem Leben ich mich identifiziere, welche Lebensorte und -umstände mich emotional so anzogen haben, dass ich sie Heimat nennen würde. Ich kam zum Schluss, solche Orte gab und gibt es für mich nicht. Als Geflohener hörte ich als Kind – besonders von meiner Mutter – das Seufzen über eine verlorene Heimat, fühlte mich in der sozialistischen Schule fremd, fand mein Land – die DDR – sehr verbesserungswürdig und musste einsehen, dass es nicht zu verbessern war. Nach den euphorisierenden Monaten 1989/90 wurde ich Bürger eines neuen Landes. Ich hatte davon geträumt, mitzuhelfen, ein Land und eine soziale Ordnung aufzubauen, die ich Heimat nennen könnte. Das erwies sich als Illusion, die ich mit einer Minderheit damals teilte. Auch wenn das neue Land für mich in jeder Beziehung bereichernd war, Heimat ist es mir nicht geworden.

Was ich aber kennenlernte, war nach dem Umzug nach Mecklenburg das Gefühl von Vertrautheit mit einzelnen bis dahin unbekannten Menschen, mit den mir aus der Kindheit bekannten Landschaften und Orten und der Sprache des Nordens. Nach dem Umzug war meine erste Lektüre Fritz Reuters Ut mine Stromtid, Ut mine Festungstid und Ut de Franzosentid. Irgendwie fühlte ich mich zu hause.

Zu einem der Diskussionsnachmittage produzierte ich einen Film mit dem Titel:
Warum ich keine Heimat habe, aber in Mecklenburg zu hause bin.
Hier dessen Tonspur:

  1. Café International des Vereins Initiative Müritz hilft e.V.