Baltikum 2014

 

Litauen – Vilnius

Kurz hinter Suwalki überqueren wir die Grenze nach Litauen. Heute kann diese ohne Kontrollen passiert werden, Litauen gehört zur EU und zum Schengenraum, wir wussten es erst, als kein Grenzposten unsere Fahrt stoppte.  Wann wird man auch hier wieder Zäune aufgebaut haben, die  “Fremde” abhalten sollen?

Bewohner dieses Landstrichs waren im Laufe der Geschichte Untertanen wechselnder Herren., des Deutschritterordens, dann von 1569 bis 1795 Untertanen der Großfürsten Polen- Litauens. Nach der dritten Teilung Polens waren Preußen hier die Herren, 1807 wieder der polnische Herzog und ab 1815 herrschte der russische Zar. 100 Jahre später  gehörte das Land zur zweiten Polnischen Republik, dann sind die Bewohner wieder deutsche Bürger, zwischen 1922 und 1939 sind sie Polen, dann Sowjetbürger,  heute Bürger der Republik Litauen. Vilnius war von 1922  bis zum Einmarsch der Roten Armee 1939 Hauptstadt einer polnischen Wojewodschaft  mit geringem Anteil litauischer Bevölkerung (circa 2 %) und einer Mehrheit ethnischer Polen und Juden. Noch heute bezeichnen sich etwa achtzehn Prozent der Bewohner als Polen, und im Umland von Vilnius stellt die polnische „Minderheit“ die Mehrheit.

Spät abends sind wir im Hotel. Die Zeit scheint eine Stunde weiter zu sein. Darüber sind wir uns nicht einig und erst sicher, als wir eine einheimische Uhr sehen. Wir versuchen, noch etwas zu essen oder trinken zu finden. Es misslingt, alles zu. Die Hotelfrau hat Wasser zu verkaufen, sonst nichts. Zum Hotel gehört ein kleines Restaurant, das für uns am Morgen ein gutes Frühstück bereithält. Danach brechen wir zufrieden auf. Nicole und Brigitte wollen noch durch ein paar Gassen der Innenstadt gehen, suchen das Denkmal von Elijah Ben Salomon Salman, eines jüdisch-aschkenasischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts.  Er  hat Vilnius als Litauisches Jerusalem bekannt gemacht. Wir finden das Jüdische Viertel, das über tausend Jahre hindurch ein Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Gelehrsamkeit war, eines der bedeutendsten in Europa.

Zemach Shabad Denkmal

Nicole und Brigitte finden ein kleines Denkmal des Arztes Zemach Shabad (1864-1935), dem ein Kind eine Katze zur Heilung bringt. Zemach Shabad war nicht nur als Mediziner ein Wohltäter, sondern auch als Sozialpolitiker und Sjem- Abgeordneter der Yidishen Folkspartei hilf- und einflussreich.   Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren ein Drittel der Bevölkerung Juden, vor dem Zweiten Weltkrieg lebten etwa 100.000  von ihnen in  der Stadt. Heute findet man davon fast nichts mehr. 

Brigitte fotografiert die Gedenktafel in einer Straße, in der am 7. September 1941 zweihundert Juden abgeholt wurden um anschließend getötet zu werden. Auf dieser Reise werden wir immer wieder an das Unfassbare des Mordes an den Juden erinnert, auch wenn in den Baltischen Republiken Touristen von ofizieller Seite wenig davon erfahren.