Baltikum 2014

Kurland und Livland

Die Liven

Zurück nach Riga fahren wir am Rigaer Meerbusen entlang. Wir  – Beate und ich – erinnern uns im Gespräch an den Abzählreim, den unsere Eltern uns beigebracht – sie hätten gesagt: anjezeicht – hatten:

 „Anku, dranku, drilla dru
chetter, faber, fiber, fu
am, damm – Ritterstamm
Vide, vide Hahnekamm.
Eins, zwei, drei Du bist frei.“

Der Vers ist ein deutsch-baltischer Kinderreim. Er stammt aus dem Livischen, der Sprache eines Volkes, das mehrere tausend Jahre auch an der Nordküste Kurlands lebte.

Anku dranku drivel dru
tšetter pävel plvel pu ,
un dang vitte sang
vitte vitte anni kanni
je be  te  los!“ *

Heute soll es nur noch wenige Menschen geben, die diese finno-ugrische Sprache aktiv sprechen, vielleicht noch die Erforscher des Livischen in Estland, Finnland und Lettland. Es gibt Versuche, das Livische zu erhalten. Ein Kulturverein organisiert Livisch-unterricht und versucht es auf diese Weise. Ob das gelingt?

Nach meinen Erinnerungen gab es zwischen meinen Eltern von Zeit zu Zeit kleine freundliche Sticheleien über ihre unterschiedliche Herkunft, wie man sie auch zwischen Angehörigen verschiedener deutscher Länder kennt. Meine Mutter war Kurländerin, mein Vater kam aus Livland. Es fielen auch die Begriffe Lettgallen und Semgallen.  Uns Kinder verwirrte das, wir wussten nur, beide kamen aus Lettland, weit weg aus dem Osten, in unserer Kindheit Sowjetunion, unerreichbar. Für uns war alles dasselbe. Es konnte vorkommen, dass wir Kinder auch Litauen zum Baltikum zählten, was bei den Eltern auf  strikte Ablehnung stieß. Vor Antritt der Reise  wusste ich die Landesteile Lettlands nach ihrer geografischen Lage sehr wohl zu unterscheiden, aber worin irgendwelche Unterschiede ihrer damaligen Bewohner bestehen könnten, war mir nicht klar, schon gar nicht, woraus die Unterschiede sich geschichtlich haben entwickeln können. Julius Eckardt – mein Chronist von 1868 – schreibt, dass  die Menschen in Kurland und Livland unterschiedlichen kulturellen Einflüssen ausgesetzt waren.  Unterschiedliche Lebensumstände im Lauf der Jahrhunderte hatten sie geformt: Livland war zeitweise polnisch, dann schwedisch, Kurland de facto lange ein selbständiges Herzogtum und kam achtzig Jahre später als Livland in russische Hände. In Kurland war lange Frieden gewesen, Livland durch Kriege nicht zu Ruhe gekommen. Und Julius Eckardt malt ein idyllisches Bild von Kurland: Weizen- und Gerstenfelder wechseln mit fetten Wiesen, nur ausnahmsweise reckt ein wüst gebliebener Moorhügel sein moosbedecktes Haupt empor, um den ewig jagdlustigen Sohn des Landes zu einer ,,Skrauja« einzuladen.** Wieder so ein Wort, das ich nicht kenne. „»Skrauja« riefen lettischen Treiber  bei der Jagd und ... machen dabei mit Jauchzen, Pfeifen, Schreien und Klatschen einen Lärm, der selbst einen Diogenes aus seinem Fasse zu scheuchen vermöchte, geschweige das arme scheue Wild. Ihr gewöhnlicher Jagdruf, in articulierte und buchstabificirte Laute gefaßt, heißt »Skrauja! Skrauja!« Doch beschreibt und articuliert es Niemand so leicht, mit wie vielen schreckhaften Variationen und Nebentönen dieß Skrauja im Walde erklingt“,*** erklärt J.G. Kohl, der 1841 dem staunenden deutschen Publikum  „Die deutsch-russischen Ostseeprovinzen unter dem Motto: „Du weiter Ost, wo allgemach, des deutschen Volkes Well‚ erstirbt“ vorstellt. Was er wohl mit der Welles deutschen Volkes meint, die im Osten allmählich erstirbt? Rechts und links von der breiten Heerstraße, die die alte Residenzstadt Mitau mit den Häfen der Westküste (Libau und Windau) und den zahlreichen kleinen Städten und Flecken des Unterlandes (so heißt dieser gesegnete Landstrich) verbindet, sehen spitze, meist grün angestrichene Kirchthürme, stolze Edelhöfe, behäbige Pastoratswidmen, und zahlreiche Bauerhäuser meist von wohlgepflegten Obstgärten umgeben, über den wellenförmigen Boden, der den ursprünglich maritimen Charakter der weiten Ebene bezeichnet, freundlich ins Land. Alles athmet Behagen und aufstrebenden Wohlstand; die Wirthshäuser (Krüge), in welchen der Wanderer einkehrt, sind sauber und den Ansprüchen zivilisierter Menschen entsprechend eingerichtet, in der  »deutschen Stube« wird der Gast von einer freundlichen, das Deutsche geläufig redenden lettischen oder halblettischen Wirthin empfangen und wenn er in die nebenan liegende Schenkstube tritt, kann er in den meisten Fällen darauf rechnen, von den jungen Bauerburschen, die hier beim Glase beisammensitzen, verstanden zu werden. In keinem Theil des baltischen Landes ist der deutsch-protestantische Charakter der Cultur so deutlich ausgeprägt, wie in diesem, nirgend ist die Germanisation so weit vorgedrungen wie hier, nirgend von fremden Elementen so wenig zu spüren, wie in Unter-Kurland.“  Auch Livland wird charakterisiert : Das breite Bett der majestätischen Düna bildet die Grenze zwischen Kur- und Livland; hat man bei Olay die Provinzialgrenze überschritten und über Riga seinen Weg in das Herz Livlands genommen, so befindet man sich in einer Welt, die trotz vielfacher Aehnlichkeiten mit der kurischen, doch eine andere, von jener verschiedene ist. Schon das veränderte Bild der Landschaft erinnert den Wandrer daran, daß er weiter nach Norden vorgerückt ist. Der düstere, tief-melancholische Tannenwald, der allenthalben den Horizont umgrenzt, läßt errathen, daß der Kampf mit der Natur hier ungleich schwerer gewesen, als auf den Ebenen Kurlands, daß die Menschen zwischen Riga und Pernau entfernter von einander wohnen und ein größeres Stück Culturarbeit vor sich haben, als ihre Brüder jenseits des prächtigen Stromes, von dessen Wogen die ersten deutschen Colonisten an das baltische Ufer getragen wurden. Anspann und Gefährte der Bauern, die uns begegnen, lassen auch in Livland auf einen gewissen Wohlstand schließen, — aber dem kundigen Auge verräth der mangelhafte Eisenbeschlag der Räder bald, daß diese Wohlhabenheit eine junge, noch werdende ist. Auch die bäuerlichen Gehöfte, die aus dem Birkengehege sichtbar werden, das das eintönige Dunkel der Tannen und Föhren hin und wieder unterbricht, nehmen sich minder stattlich aus wie in Kurland, das Strohdach herrscht noch ziemlich allgemein vor…Satt der endlosen, nur von Bächen durchschnittenen Ebenen, die wir drüben fanden, tritt uns hier das Bild eines Hügellandes entgegen, das von einzelnen Höhenzügen, selbst von zwei beträchtlichen Plateaus gekrönt ist. Die Flüsse sind breiter und zahlreicher und nur dem harten Geschick des Landes, von welchem zahlreiche Burg-Ruinen ein lebendiges Zeugniß ablegen, ist es zuzuschreiben, daß ihre Schiffbarmachung erst heute in der Entstehung begriffen ist“* Dann folgt seine Beschreibung dem Blick nach Norden: Bei Walk verschwindet der blaue Rock, an welchem der Lette erkennbar ist, an seine Stelle tritt das lange schwarze Gewand des langhaarigen Esten, dem sich allerdings größere Energie und Charakterkraft nachrühmen läßt, der sich aber gegen die Einflüsse deutscher Cultur entschiedener abschließt als der lettische Bewohner Kurlands und des südlichen Livland. Hier begegnen uns die ersten Dörfer d. h. Complexe von 5 bis 10 Bauernhöfen, wie sie der geselligeren Natur des Esten Bedürfniß sind. Immer dichter und finsterer werden die Wälder, immer unansehnlicher und schmutziger die Bauernhäuser, denn obgleich der nordwestliche Theil Livlands, dank der ergiebigen Flachscultur, zu den wohlha- bendsten Gegenden des Ostseelandes zählt, stehen seine Bewohner in Bezug auf ihre Ansprüche an Comfort und Reinlichkeit hinter den Letten zurück, wird hier noch manches Haus ohne Schornstein und mit niedrigen, schmutzigen Fenstern gefunden, dessen Besitzer sein Vermögen nach Tausenden zählt. Im äußersten Norden Livlands und in Estland treten Unreinlichkeit und Armuth immer widriger in den Vordergrund. Hier ist die Frohne noch vor wenigen Jahren, vielleicht Monaten herrschend gewesen, das Pachtsystem eine neue Errungenschaft, der bäuerliche Grundbesitz eine seltene Ausnahme.“* Soweit die Beschreibungen von 1868. Zur geschichtlichen Entwicklung führt Eckardt sinngemäß aus: Im Mittelalter verband man mit dem Namen Livland die drei  Provinzen Estland, Livland und Kurland. Sie bildeten bis zum 15ten Jahrhundert einen Föderalstaat, formal mit dem römisch-deutschen Kaiser und dem Papst als höchste Oberherren, ein Sammel- und Tummelplatz deutscher Ritter, Priester, Kaufleute, Glücksritter. Esten, Letten , Kuren und Liven – die Völker der Ureinwohner – mussten diese als Landesherren anerkennen, ihnen dienen, auch wenn sie sich zunächst mit Waffen in zahlreichen Aufständen dagegen wehrten. Schon früh drängten adlige Vasallen  und das städtische  Bürgertum an die Macht. Adlige dominierten die Landtage, ihre Lehnsherren – die Bischöfe und Ordensoberen – waren gezwungen, dort mit ihnen über gemeinsame Angelegenheiten zu verhandeln. Auch das Bürgertum wollte mehr und mehr beteiligt  werden. Erbitterte Kämpfe waren unvermeidbar. Zu vollster Schroffheit ausgebildet, verhinderte das Feudalsystem jede gesunde staatliche Entwickelung; indessen Russen, Schweden, Polen und Litauer kampfgerüstet und eroberungslustig vor den Thoren des Landes standen, verbrauste die Kraft der Söhne desselben in wüstem Genuss und endlosem Hader; jedes Mannes Hand war gegen die des Nachbarn und allein die mächtige Heldengestalt des Meisters bildete einen Mittelpunkt für die widerstreitenden Interessen. Mit ihm sank auch der alte, innerlich ausgehöhlte Bundesstaat ins Grab.“**  – lese ich bei Julius Eckardt.

Die Reformation kam von Westen ins Land. Ivan der Schreckliche drängte mit Schrecklichkeit von Osten hinein, ebenso auch Schweden und  Polen von Süden. Das alte Livland zerfiel und wurde teilweise polnisch, auch Riga.  Deutsche durften nach Zusicherung lutherisch bleiben, ihre Sprache sprechen, alte Rechte und Selbstverwaltung behalten und dem Adel wurde ein „unbeschränktes Dispositionsrecht über die Bauern“ vom polnischen König zugesprochen. Es kam aber anders. Unter polnischer Herrschaft wurden die Menschen zur Rückkehr zum katholischen Glauben gezwungen und „die garantierte Verfassung durch wiederholte Octroyirungen  unkenntlich verändert, Recht und Herkommen mit Füßen getreten …. Bauern verelendeten. Der Adel, polnische Beamte und Soldaten beuteten sie rücksichtslos aus. Gustav Adolf von Schweden machte dem um 1600  in Livland ein Ende, Estland war schon länger schwedisch. Schwedens Herrschaft war in seiner Wirkung zweigeteilt. Zunächst war alles gut, es  war des Jubels darüber, dass man der argen Polenwirthschaft entronnen und in einen protestantischen Staatsverband getreten war, kein Ende.  Schulen und Kirchen, in Dorpat die Universität wurden neu gegründet, die Verwaltung und Justiz reformiert, die Leibeigenschaft eingeschränkt bis … Karl XI zur Macht kam, und mit ihm ein erneuter Untergang des Landes einsetzte, der sich bis zum Nordischen Krieg mit weiterer Verwüstung und  Verelendung der Bauern hinzog. Peter der Große zusammen mit  Sachsen-Polen und Dänemark Norwegen griffen die Schweden an.  „ ...nach hartem Kampfe und verzweifelter Gegenwehr wurde der Zaar des Küstenstrichs Meister. Erst nachdem er Ritterschaft und Städten ihre alten Privilegien bestätigt hatte, huldigten diese dem neuen Landesherrn durch Confirmation der sog. Accordpunkte, später durch die Bestimmungen des Nystädter Friedens wurde Peter für sich und seine Nachkommen verpflichtet, die Herrschaft der lutherischen Kirche, des deutschen Rechts und der Sprache und der angestammten Verfassung in seinen neuen Provinzen Liv- und Estland anzuerkennen und für alle Zeit sicher zu stellen, der Livländer Privilegien auch eher zu ,,augmentiren« als zu »diminuiren“**.  Dem Land aber ging es weiter schlecht, ebenso der größten Stadt Riga, bis in die zweite Hälfte des  18.Jahrhunderts hinein. Zunftordnung und Adelsdünkel waren verbreitet und verhinderten lange Zeit den wirtschaftlichen Aufschwung. Dann aber begann ein neues Denken. Herder  kam nach Riga, die Aufklärung wirkte.  Ein wichtiges Buch erschien: Garlib Merkels „Die Letten“ wurde zur Anklageschrift gegen den Adel: Die Vernunft hat gesiegt und das Jahrhundert der Gerechtigkeit beginnt. feuriges Gefühl von Menschenwürde und Menschenrecht ergreift alle, auch die rohesten Nationen, weise Regenten erkennen ihre Bestimmung, Glück und Freunde und Licht um sich zu verbreiten…. Aber Wehe auch, tausendfaches Wehe den Tyrannen, die, statt durch Beyspiele belehrt, die Fessel allmählich lösen, sie nur fester zuziehen und die Unterdrückten durch Erdrosselung beruhigen wollen. Zu einer Zeit, da selbst der stolze Britte ringt, seinem Negersklaven Freiheit und Bürgerrechte zugestehen zu können, giebt es in Europa ganze Nationen, welche, der persönlichen Freiheit und des Aufstrebens unfähig erklärt, unter der Geissel der härtesten Despotie sich krümmen, das Grab ihrer freien Väter mit Sklavenketten umrasseln, ihr Feld für eine ihnen ewig fremde Menschenklasse pflügen und diese bereichern, indeß sie selbst der Hunger entseelt. Und wer tritt sie zu Boden? Fürsten? Nein! Ihr Mitbürger. Der Habsucht weniger Adlichen geopfert. stehen die Letten und Esthen als eine Null in der Völkerreihe da, bis einst – o daß die Weisheit der erhabenen großen Catharina, der Nachwelt diese Greuel erspare! – bis einst auch sie ihre Rechte mit Feuer und Schwerdt und dem Blut ihrer Despoten documetieren.„**** Hallischer Pietismus und Rationalismus förderten den Willen der lutherischen Geistlichkeit zur Volksbildung. 1816 bis 1819 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft, die lettischen und estnischen Bauern kamen frei, aber ohne Land aus der Armut nicht heraus, im Gegenteil, sie verelendeten völlig. In den 1840er Jahren erhofften sie sich Erlösung vom irdischen Übel durch die orthodoxe Kirche und konvertierten. Erst jetzt erkannten die deutschen Herren in Livland die Notwendigkeit eines Bauerngesetzes, das den armen Pächtern Landerwerb ermöglichte. Der Wohlstand in Livland blieb gering. Ständige Streitigkeiten der Ritterschaft über das Verhältnis zu lettischen und estnischen Bauern, dadurch sich häufig ändernde Gesetze vertieften die Kluft zwischen Gutsbesitzern und Bauern, zwischen Deutschen auf der einen, Letten und Esten auf der anderen Seite. Allerdings spielte in Livland die Bürgerschaft eine erheblich bedeutendere Rolle als  in Kurland, war der Adel schwächer, gab es mehr und größere, reichere Städte. Durch den Reichthum seiner Städte, den Besitz der Universität, einer polytechnischen Schule, einer aufstrebenden politischen Presse, der ersten baltischen Eisenbahn, endlich dadurch, daß Riga der Sitz des General-Gouverneurs und der baltischen Centralverwaltung ist, hat Livland ein gewisses geistiges Übergewicht über die Nachbarprovinzen gewonnen“***. Kurlands Geschichte verlief anders. Herzog Jakob Kettler machte Kurland ab 1642 zu einem Musterländchen. Nachfahren sind des Lobes voll: „  eine zahlreiche, gebildete Geistlichkeit legte die Grundlagen echter Gesittung, die Wohlhabenheit des Adels, die Gunst eines mildern Klimas und die größere Fruchtbarkeit des Landes, vor allem das gute Beispiel, welches der Herzog aus seinen zahlreichen Domänen gab, gestalteten die bäuerlichen Verhältnisse trotz der Fortdauer der Leibeigenschaft zu einem mindestens erträglichen Zustande. … Ein selten unterbrochener Frieden förderte Ackerbau und Viehzucht und begründete einen Wohlstand, der mit der Zeit so beträchtlich wurde, daß (nach dem Ausdruck eines Historikers) im 17. und 18. Jahrhundert selbst die kurischen Bettler zweispännig fuhren.“**.

Doch fehlte es  an einem starken Bürgerstand mit einem „ auf das Bewusstsein des eigenen Werths gegründeten Bürgersinn “ Adlige hatten das Sagen, der Handel war unbedeutend.  „Kein Wunder, daß die Selbstherrlichkeit des Adels,  dem  jedes Gegengewicht mangelte, maßlos aufschoss, und daß das Bürgerthum Kurlands noch heute (1868) nicht dazu gelangt ist, sich die Grundlagen einer ebenbürtigen und selbständigen Existenz zu begründen.“** Dem Adel Unterkurlands wurde schon  bald nach der Aufhebung der Leibeigenschaft bewusst, wie wichtig für das Gesamtwohl ein Wechsel von der Arbeitspacht zur Geldpacht sein würde. Er verzichtete freiwillig auf sein exklusives Recht auf Gutsbesitz, so dass Bauernhöfe zum Eigentum von Pächtern werden konnten. So im nordwestlichen Teil Kurlands. Ob sich durch die unterschiedliche Geschichte und Naturbeschaffenheit Livlands und Kurlands auch Unterschiede in den Charakteren herausgebildet haben? Unsere deutsch-baltischen Vorfahren sahen es so: Der Kurländer sei  praktisch veranlagt,  der grauen Theorie abhold, lieber probierend als studierend, der Livländer  hingegen durch den Einfluss des stärker entwickelten Stadtlebens mehr durch des Gedankens Blässe angekränkelt“**


*** G.J. Kohl Die deutsch-russischen Ostseeprovinzen, Dresden, Leipzig 1841
**** Garlib Merkel, Die Letten, vorzüglich in Liefland, am Ende des philosophischen Jahrhunderts, Ein Beytrag zur Völker und Menschenkunde, Leipzig 1797