Baltikum 2014

Kurland

Bei sonnigem Wetter brechen Beate und ich  nach Talsi (Talsen) auf. 75 Jahre zuvor, am 4. Juni 1939 fand dort die Hochzeit meiner Eltern statt.Wir fahren die Brivibas iela entlang, zunächst zur Steinschen Mühle. Die Mutter von Beate und Brigitte ist dort aufgewachsen, ganz in der Nähe der Neuen Deutschen Gertrudenkirche, einem neugotischen Bau von 1906. 

Unser nächstes Ziel ist Jelgava (Mitau), die Stadt, in der das größte Barockschloss des Baltikums steht. Es wurde nach Plänen von Rastrelli als Sitz der Herzöge von Kurland erbaut. Wir kommen von jenseits der Kurländischen Aa, sehen die Brücke, davor eine riesige Wiese, unbebautes Land und von weitem schon das prächtige Schloss, das Rot und Gelb der Fassaden.

Wir parken und  gehen in den Innenhof. Das Schloss hatte ursprünglich ein Hauptgebäude mit zwei Flügeln. Erst 1937 wurde  ein vierter Teil mit einer glatten „modernen“ Fassade hinzugefügt, so dass die Anlage einen großen Hof umschließt. Manche bemängeln ihre Schlichtheit, nennen sie sogar langweilig, was nach  meinem Eindruck  jedoch nur für den neuen Flügel zutrifft. Mitau wurde sehr zerstört  und was aufgebaut wurde, sieht nach der alten Sowjetunion aus. 

So bin ich froh, aus der Stadt weiter nach Norden zu fahren. Wir nehmen kleine Straßen, auch geschotterte, kommen am Museum für Karlis Ulmanis in Pikšas vorbei. Ein Hinweisschild nicht weit von Tuckums macht uns auf ein Herrenhaus aufmerksam, eher  ein Schloss, sehr gepflegt, heute ein Hotel: Jaunmoku pils. 1901 hat es sich der Rigaer Bürgermeister George Armitstead  bauen lassen. Ein Denkmal für ihn wurde in Riga nahe der Nationaloper aufgestellt (2006 durch Elizabeth II bei einem Staatsbesuch in Riga enthüllt). Es zeigt einen Herr und eine Dame, beide lebensgroß und aus Bronze, die einen kleinen Chow-Chow spazieren führen. Wir schlendern durch den Park, lassen uns einen Milchkaffee servieren, genießen den sonnigen Tag. Von dort sind es nach Talsen nur wenige Kilometer.