Baltikum 2014

Estland – Tartu – Dorpat

Wir verlassen Cesis in Richtung Tartu – Dorpat, fahren an einem Park entlang durch die grüne, gepflegte Stadt, Kastanien blühen. Das Land ist flach, keine Berge oder Hügel mehr. Felder und kleine Wälder wechseln sich ab. Dichtes, grünes Unterholz in den Wäldern fällt uns auf – dichter und undurchdringlicher als wir es von unseren Wäldern in Mecklenburg kennen. Auch Tartu begrüßt uns mit einer grünen Stadteinfahrt, Häuser, hier ebenfalls häufig aus Holz, hinter Vorgärten, Straßenbäume bis in die Innenstadt.  Am Rathausplatz (Raekoja plats) erwartet uns eine Übernachtung im universitätseigenen Hotel – eines der ältesten Häuser der Stadt. Das Appartement hat große komfortabel eingerichtete Räume. Auf dem Platz vor dem Hotel bauen junge Leute eine Bühne für ein Rockkonzert auf. So  können wir nicht an das Haus heranfahren, parken das Auto etwas entfernt und tragen das Gepäck ins Hotel. Nicole und Brigitte gehen einkaufen, ich umrunde in dieser Zeit humpelnd den Rathausplatz.

Wir nehmen im hauseigenen Café Noir unser Abendbrot ein und reden über die Deutschbalten. Wieder taucht die Frage auf: Warum sind sie nach der Aufforderung „Heim ins Reich“ nicht im Lande geblieben, was hat sie veranlasst, ihre Heimat, die ihnen so am Herzen lag, zu verlassen?  Wie kann es sein, dass innerhalb weniger Wochen der größte Teil einer Bevölkerungsgruppe ihr Land verlässt, nicht fluchtartig, sondern geplant, mit ungeheurem Aufwand organisiert? Ich versuche Erklärungen zu finden, Erklärungen, die ich gehört, gelesen habe, die  mir zum Teil auch einleuchtend erscheinen, aber unbefriedigend bleiben:

Wir sitzen lange beim Wein, Nicole fragt viel, wir wissen wenig, zu wenig, um befriedigende Antworten zu geben auf das Warum und Wie.  Sobald wir nach Hause kommen, will ich mehr erfahren.