Fremdenfeindlichkeit

Ja, ich möchte ein Mensch mit Moral sein, auch in einer Zeit, in der dieses Wort zum Schimpfwort wird.  Ich  bin dafür, den Hilflosen zu helfen, in Not Geratene zu unterstützen, die Artikel 1 und 16 a des Grundgesetzes  und die Genfer Flüchtlingskonvention zu verteidigen und meine  damit nicht die Forderung nach no border.
Ich weiß nicht, ob das  eine linke Haltung ist.  Ich weiß aber, dass diese anständig ist, wie meine Eltern es vor unendlich langer Zeit  genannt hätten.  Wenn dieses altmodische Wort  aus dem Sprachgebrauch verschwindet, ist das nicht wirklich schlimm, wenn es aber in kollektivem Verhalten nicht mehr zu finden ist, nenne ich das eine Katastrophe.

Warum glaube ich nicht mehr, Linke würden solche Forderungen gut finden? Ich lese bei Linken, wer flüchtenden Menschen anderer Herkunft in ihrer Not beisteht, verschärft  die sozialen Probleme, sofern man mit sozial Abgehängten nicht vorher verhandelt, ob sie solche Hilfe für Fremde akzeptieren würden.  Diese Hilfe führe „zu einer Position, deren Kern eine absolute moralische Forderung ist:  Kein Mensch ist illegal, die Grenzen müssen offen für alle sein, die kommen wollen, und jeder, der kommt, hat Anspruch auf die landesüblichen Sozialleistungen, solange er keine Arbeit findet„, wissen Sarah Wagenknecht und Bernd Stegemann.  Ja woher wissen sie das? Weiter erklären sie: Diese „Weltsicht fühlt sich gut an, und sie (die Helfenden) sind darüber mit sich selbst im Reinen …  In jedem Fall blendet diese Moral offensichtliche Zusammenhänge aus, wenn sie ihr eigenes gutes Gefühl in einer Willkommenskultur pflegt, um dann die realen Verteilungskämpfe in ein Milieu zu verbannen, das sich weit weg vom eigenen Leben befindet. Es handelt sich also eher um einen Fall von Doppelmoral.“   Ich weiß nicht, warum diese linken Autoren meinen, nur Besserverdienende würden sich den Luxus von Empathie wegen des guten Gefühls  gönnen. Vielleicht, weil Sarah W. und Bernd S. andere Menschen nicht kennen?

Ich komme aus einem Elternhaus mit  sehr beschränkten Mitteln. Hilfe für Menschen, die solche brauchten, wurde – soweit möglich – geleistet, auch ohne zu fragen, welcher Herkunft der Bedürftige sei. Nun gut, es ging meinen Eltern auch nicht um die Befreiung des ganzen deutschen Proletariats . 

  Ich denke, aus Xenophobie – wohl mit Angst vor Fremden zu übersetzen – folgt Fremdenfeindlichkeit. Ein anderer Linker  (Wolfgang Streeck) fragt allen Ernstes in der ZEIT, was das sei:  „Ist Fremdenfeind, wer … für seine Kinder funktionsfähige öffentliche Schulen braucht, weil er nicht umziehen oder auf private Schulen ausweichen will oder kann? Wer um seine traditionelle, regional geerdete Lebensweise fürchtet? Wer zwischen erwünschten und unerwünschten Neuankömmlingen unterscheiden will?“   

Ja, wer aus den oben genannten Gründen an Leib und Leben bedrohten Menschen, Verfolgten wegen ihres puren Seins , wegen ihres Glaubens oder Herkunft Hilfe verweigert, ist ein Fremdenfeind!  Gründe dafür mag es viele geben: weil er/sie  es nicht besser gelernt hat,  weil seine/ihre Freunde so denken, aus Egoismus und vielen anderen menschlichen Regungen.  
Gründe für Fremdenfeindlichkeit gibt es, aber keine Entschuldigungen, wie den Verlust des Arbeitsplatzes  vor fast 30 Jahren nach dem Exitus der DDR, die Übernahme der Firma durch einen westdeutschen Kapitalisten, die Bedrohung durch die Globalisierung oder den Ausverkauf der Wahrheit durch angebliche „Lügenpresse“.

Ich glaube nicht, dass Fremdenfeindlichkeit ein Merkmal im Rechts-Links-Schema  ist. Es ist ein Zeichen  mangelnder Empathie und ich wiederhole es noch einmal: mangelnder Anständigkeit.